Barbara Richter zum Leserbrief „Feinstaub-Kommentar aus anderer Perspektive“ von Susanne Prior, WR vom 12.01.2008
Frau Prior findet es „radikal, zynisch, egoistisch und gemein“, wenn ein WR-Kommentar darauf hinweist, dass die katastrophalen Feinstaub- und Schadstoffwerte in der Hagener Innenstadt die Folge des Autoverkehrs sind und Maßnahmen dagegen in Zukunft unerlässlich sein werden. Die Liebeserklärung ans alte Möhrchen wiegt offenbar schwerer als die Tatsache, das eine Begrenzung der Feinstaub-Emissionen dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung dient.
Nach einer Studie der Europäischen Union sterben pro Jahr rund 310.000 Menschen, davon allein 65.000 Menschen in der Bundesrepublik, an Erkrankungen, die in direktem Zusammenhang mit überhöhten Belastungen durch Feinstaub stehen. Zynisch ist nach meiner Auffassung, sich wie die Stadt Hagen ewig Zeit zu lassen, bis wirkungsvolle Schutzvorkehrungen dagegen getroffen werden. Und im Gegensatz zur von Frau Prior kolportierten Expertise des Automobilanbetungsvereins ADAC ist eine Umweltzone das einzige erfolgversprechende Mittel, in belasteten Gebieten flächendeckend die Luftwerte zu verbessern. Zu diesem Schluss kommen zum großen Missvergnügen des „Umweltdezernenten“ Bleicher sogar die von der Stadt beauftragten Gutachter. Die
Wer aber gerne sein Altfahrzeug ohne steuerlich geförderte Nachrüstung bis zur vollständigen Durchrostung ausfahren möchte, kann das auch in Zukunft weiterhin tun, nur eben nicht in den - räumlich begrenzten - Umweltzonen. Dort kann dann nur einfahren, wer moderne Abgasnormen erfüllt. Und für die wirklich wenigen anderen gibt es ja in diesen Bereichen auch noch den ÖPNV. Was den Lieferverkehr angeht, sehen die Regelungen in Städten, die schon eine Umweltzone haben, Übergangs- und Ausnahmeregelungen vor. In Hagen sind wir überdies in der glücklichen Lage, mit der Citylogistik ein umweltfreundliches Instrument zur Warenauslieferung zu haben, das in Zukunft eine gute Alternative für den Lieferverkehr mit Altfahrzeugen sein könnte.
Ursachenforschung ist mittlerweile abgeschlossen und entsprechend der daraus resultierenden Gesetzeslage zu werten. Dabei spielt der prozentuale Anteil beim Auftreten von Feinstaub durch Autoreifen(!)abrieb, Silvesterböller oder ähnliches eine untergeordnete Rolle. Auch Trockenheit an sich ist nicht das Problem, sondern die Kombination aus Abgasen und Wetterlage. Wirklich zynisch wäre es, einem an Lungenkrebs erkrankten Menschen vorzuhalten, er habe eben seinen Wohnort an der falschen Stelle gewählt und könne nun doch nicht erwarten, dass die Politik geeignete Maßnahmen des Gesundheitsschutzes durchsetze und geltende Gesetze anwende.
Insofern gibt es auch für die Eigentümer von Altautos keinen Grund, sich gleich enteignet zu fühlen, wenn nur ein bisschen Rücksicht auf die Gesundheit anderer Verkehrsteilnehmer genommen werden soll. Das ist durchaus zumutbar.









