24.04.2009: Hildegund Kingreen zum WP-Bericht „Theater wird zur Gastspielbühne degradiert“

Es ist richtig und wichtig, wenn die Arnsberger Pläne für einen kompletten Kultur-Kahlschlag frühzeitig in die öffentliche Diskussion gelangen. Insofern ist der WP zu danken, auch wenn ich als Ratsmitglied empört feststellen muss, dass sowohl die Debatten der „Zukunftskommission“ als auch das zweite Actori - Gutachten zuerst in der Presse auftauchen, bevor im politischen Raum irgendjemand informiert wird.
Sehr ärgerlich bin ich jedoch über die Überschrift: Während im Artikel korrekt angegeben wird, dass es sich bei den weitreichenden Kürzungen lediglich um Vorschläge der Arnsberger Vertreter in der „Zukunftskommission“ handelt, suggeriert die Aufmachung des Beitrags zumindest dem flüchtigen Leser, hier sei schon irgend etwas beschlossen. Wer am Dienstag die Bekenntnisse aller Hagener OB-Kandidaten zum Bestand des Theaters gehört hat, könnte meinen, die Anwärter für die Stadtspitze wüssten alle nicht, wovon sie sprächen, seien von der Realität längst überholt worden oder sagten gar die Unwahrheit.
Richtig ist jedoch: So weit sind wir noch längst nicht. Die Verkündigung aus Arnsberg belegt  zunächst einmal nur, dass sich Regierungspräsident Diegel (CDU) mit einem Flächenbombardement auf die Kulturlandschaft seiner Heimatstadt als brutalstmöglicher Sanierer für höhere Aufgaben empfehlen will. Eine Kommunalaufsicht, die ein lebendiges Oberzentrum auf Provinzniveau zurechtstutzen will, indem sie nicht nur das Theater, sondern alle Kulturzentren, Museen und Bildungsangebote eindampft oder gleich einstampft, hat ihre Aufgabe als Sachwalterin der Menschen in der ihr anvertrauten Region vergessen. Ich sehe in Hagen keine politische Kraft, die eine derartige Selbstaufgabe mittragen würde.
Gar nicht mehr hören kann ich aber das Argument des Kommentators, man müsse nun erst mal eigene Sparanstrengungen unter Beweis stellen, bevor man höheren Orts nach Hilfe ruft, ein Sprüchlein, das auch der auswärtige OB-Bewerber Dehm regelmäßig aufsagt. Als hätten wir in den letzten Jahren nicht bereits Hagens Infrastruktur rigide zusammengestrichen: Bäderschließungen, Büchereischließungen, Kürzungen, die den ÖPNV an die Grenze der Funktionslosigkeit abschmelzen, Zuschusskürzungen an freie Träger, sogar der Verzicht auf Versicherungen für städtisches Eigentum usw. usf. Und gerade der Kulturbereich ist bereits überproportional rasiert worden. Ich erinnere nur an die Aussage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Röspel, der nach der letzten Sparrunde beim Theater versprach, diese Kürzung sei nun endgültig die Letzte, die seine Fraktion mitträgt. Da muss also doch schon mal was gewesen sein. Vielleicht hat er´ s seinem Kandidaten und seinem Regierungspräsidenten bloß noch nicht mitgeteilt. Das könnte dann ja sein Kulturkämmerer erledigen…

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