18.03.2009 Ruth Sauerwein zur Werbekampagne "Lebendiges Hagen"

Seit einigen Tagen verfolgt mich ein sehr auffälliges Plakat: Blauer Himmel, gelbe Luftballons und der Slogan „Hagen macht Laune“ mit dem Motto „Lebendiges Hagen“. Dieses Plakat verursacht bei mir ausgesprochen schlechte Laune. Ich fühle mich verhöhnt, denn es widerspricht dem, was ich erlebe.
An Wochentagen beginnt in Hagen ab 21.30 Uhr die Zeit der stündlich fahrenden Nachtexpresse. Ich habe noch Glück, „mein“ Nachtexpress hält an der gewohnten Haltestelle. Aber viele Hagenerinnen und Hagener müssen nach 21.30 Uhr (an Wochenenden früher) weitere Wege in Kauf nehmen oder sind ganz vom öffentlichen Nahverkehr abgeschnitten. Im Sommer wird die Situation mit dem neuen zusammengestrichenen Fahrplan auch tagsüber schlimm werden. Schon jetzt grübeln Menschen darüber nach, wie sie dann zur Arbeit kommen. Lebendiges Hagen?
Das anerkannt gute Hagener Theater kämpft Jahr um Jahr ums Überleben. Die Kulturzentren in den Stadtteilen, die dort zu Leben und Vielfalt beitragen, müssen Jahr für Jahr Kürzungen hinnehmen und die irgendwie verkraften. Das geht an die Substanz. Wir bekommen ein Westfalenbad, aber in den Stadtteilen wurden Bäder dicht gemacht. Die Wege werden länger, der Fahrplan wird dünner. Im Volkspark, der im Sommer sehr lebendigen Mitte Hagens, soll die Toilettenanlage geschlossen werden – Teil des beschlossenen Sparpakets.
Hartz-IV-EmpfängerInnen bekommen nur für das Jahr 2008 rückwirkend die angefallenen Heizkosten erstattet anstelle einer Pauschale, wie sie entgegen der Rechtsprechung in Hagen seit 2005 gezahlt wurde. Die Folge war, dass viele Betroffene durch die Nachzahlungen in Schulden gerieten, weil die Stadt diese Kosten nur als Darlehen gewährte. Das Unrecht wird jetzt nur zum Teil wieder gut gemacht. Das sorgt nicht für gute Laune.
Diese Liste ließe sich fortsetzen. Dabei möchte ich betonen, dass ich gern in Hagen lebe. Das Problem ist, dass durch die Kürzungsmaßnahmen viele lebenswichtige Funktionen der Stadt kaputt gemacht werden. Das belastet immer mehr Menschen. Das lässt sich durch bunte Plakate nicht auffangen.

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